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Schwarzlicht

Schwarzlicht

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Alex streifte den Raum mit seinem Schwarzlichtabenteuerlicht ab. Es war ein Scherzgeschenk gewesen, doch in dieser Nacht diente es einem ernsteren Zweck. Seine Schwester Freya war verschwunden. Sie hatte immer gelacht, als sie sagten, dass ihre neuen Smart-Glasses sie eines Tages in Schwierigkeiten bringen würden, aber niemand hatte gedacht, dass es so enden würde.

Er richtete das Licht auf die Brille, die auf dem Boden lag. Ein seltsames, ebenso schwarzes Glühen pulsierend und ein visuelles Echo erzeugend. Es war Fremd, es war nicht von dieser Welt. Fast schon wie ein Wurmloch. Als er näher hinkam, konnte er sogar seinen eigenen Spiegel fast erreichen, beinahe als ob das Glühen ein Tor zu einer anderen Dimension öffnete.

Vorsichtig streckte Alex seine Hand aus und berührte das pulsierende Licht. Es fühlte sich kalt und zugleich unnatürlich warm an. Mit einem Sog wurde er in die Schwärze hineingezogen. Er hatte keine Kontrolle über seinen Körper. Und dann war es still. Dunkel. Ruhig.

Das nächste, was er wahrnahm, war ein kühler Windhauch. Er öffnete seine Augen und fand sich in einem Wald wieder. Die Bäume waren hoch und dünn, und trotz der Dunkelheit konnte er deutlich das Schwarzlicht sehen, das sie durchdrang. Es war ein Ort wie aus einem Albtraum, und dennoch erschreckend schön.

Alex wanderte tiefer in den Wald, angetrieben durch die Hoffnung, seine Schwester zu finden. Plötzlich hörte er ein leises Flüstern. Er drehte sich um und konnte im schwachen Licht eine Gestalt erkennen. Es war Freya, die aber völlig verändert aussah.

Sie stand einfach da und starrte ihn an. Ihre Augen waren leer und ihr Gesichtsausdruck starr. Sie bewegte kaum die Lippen, als sie sprach. „Lauf Alex. Lauf, während du noch kannst. Es ist nicht sicher hier.“ Ihre Stimme, obwohl flüsternd, war voller Angst.

„Was ist passiert, Freya?“ fragte er, doch bevor sie antworten konnte, war sie verschwunden. Einfach weg. Als ob sie nie existiert hätte.

Völlig verängstigt versucht Alex, den Weg zurück zu finden. Ein langes, grausiges Heulen ließ sein Herz schneller schlagen. Er spurtete durch die Bäume und dann stand er plötzlich wieder in seinem Zimmer, das Schwarzlicht noch in der Hand.

Alex blickte sich um. Alles war wie vorher, die Brille lag nicht mehr auf dem Boden. Es war, als wäre er nie weg gewesen. Als ob alles nur ein böser Traum gewesen wäre. Doch der Schock war real und die Angst in den Augen seiner Schwester hatte er nicht erfunden.

Dieses Gefühl bleibt unauslöschlich in Alex. Das Schwarzlicht hatte ihm eine andere Welt enthüllt. Eine Welt, in der seine Schwester verschwunden war. Eine Realität, von der er hoffte, dass sie nicht existierte. Die Tür zu dieser verstörenden Dimension war nun geschlossen, aber die Erinnerung an das, was er gesehen hatte, würde ihn noch lange heimsuchen.

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