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Geisterhauch

Geisterhauch

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Es war ein eisig kalter Abend im Herzen der unterkühlten Stadt, als Adam die Tür zu seiner neuen Wohnung öffnete. Das alte Backsteingebäude, ein verlassener Bunker aus einer längst vergessenen Ära, erzeugte eine Düsternis, die seine Besucher heimtückisch verschlucken konnte. Mit nichts anderem als dem Licht seines Smartphones navigierte Adam durch die Finsternis und zog seine Umzugskisten durch den engen Flur.

Schnell bemerkte er die kühle Böe, die scheinbar aus dem Nichts kam, ein Hauch, der die Härchen auf seinen Armen zum Tanzen brachte. Als nüchterner Softwareentwickler neigte Adam nicht zum Aberglauben, doch etwas an diesem nächtlichen Hauch ließ ihn frösteln.

Die Tage vergingen, und der Hauch wurde zu Adams ständigem unerwünschtem Begleiter. Obwohl er ständig die Fenster und Türen abdichtete, blieb die Kälte. Sie kroch in jeden Winkel seiner Wohnung, unter sein Bett, in seinen Kleiderschrank, sie ließ ihn in seinen Träumen erzittern.

Adam begann Ablenkung in der Arbeit und in endlosen Projekten zu finden. Er kam spät nach Hause, wachte früh auf und hoffte, seine besorgniserregende Wirklichkeit in den Grooves seines Codes zu ertränken.

Eines Nachts fand er sich an seinem Futon sitzend, umgeben von dem flirrenden Licht seines Computers, das gegen die dunklen Wände flackerte. Sicherheitshalber hatte er etwas Musik aufgelegt, ein liebliches klassisches Stück, um den eisigen Hauch und die damit verbundenen Gedanken stumm zu schalten. Plötzlich veränderte sich die Musik, wurde zu einem klirrenden Echo, ehe sie vollständig verstummte. Die Kälte nahm zu, sodass er selbst seinen eigenen Atem sehen konnte. Es wurde einfach zu real.

Gerade als er sich erhob, um nach der Ursache des unerklärlichen Ausfalls zu suchen, hörte er es: Das Flüstern. Ein leises Wispern, fast wie ein verzweifeltes Flehen, wehte in der Luft herum, leise genug, um seine vorgehaltene Hand besorgt zum Ohr zu bringen. Es war undefinierbar, doch mit jedem Flüsterton fühlte es sich so an, als würde er in eine elende Dunkelheit getragen.

Nach dieser Nacht zog Adam ein professionelles Geisterjäger-Team hinzu. Doch sie fanden nichts außer normalen EMF-Spitzen und Kältemessungen. Sie informierten ihn, es könne auf das Alter des Gebäudes zurückzuführen sein. Doch Adams Instinkte sagten ihm etwas anderes.

Genervt und verzweifelt zog er in eine andere Wohnung um. Aber merkwürdigerweise war es nicht das Ende. Jedes Mal, wenn er den Hauch auf seinem Nacken spürte, das Wispern in der Dunkelheit hörte, packte ihm ein unerklärlicher Schrecken das Herz. Ein Zimmerwechsel schien lediglich den Schauplatz zu wechseln, nicht das skript-basierte Geschehen.

Nach Monaten des Erlebnis und nach unzähligen schlaflosen Nächten entschied Adam sich, dem Bizarren zu begegnen. Bei der nächsten unerwünschten Begegnung atmete er tief ein und sprach in die Dunkelheit. Mit zitternder Stimme fragte er die unsichtbare Präsenz, was sie wollte.

Auf seine Frage füllte die Antwort die Dunkelheit seiner Wohnung. Es war ein einziges Wort, das aus vielen Stimmen bestand, wehklagend und doch dringend. Es sagte: „Freiheit“.

Adam erkannte, dass die Geschichte seines Hauchs weit über seine Vorstellungen hinausging. Sie trug das Echo von verlorenen Seelen, gefangen in der Sphäre des Jenseits, verurteilt zu ewigem Wehklagen. Sie verlangten keine Vergeltung, nur Erlösung. Ihre Erlösung ließ Adam jedoch mit der Frage zurück: Wie konnte er, ein einfacher Mann aus Fleisch und Blut, geisterhafte Seelen befreien?

Und so bleibt unser Protagonist in der Dunkelheit seines Lebens, gefangen zwischen der Realität und dem Übernatürlichen, auf der Suche nach Antworten, auf der Suche nach der Freiheit, die die Geisterhaucherscheinungen ersehnen. Jedes von einem kalten Hauch begleitete Flehen erinnert ihn stets an seine schreckliche Aufgabe. Die Frage bleibt: Kann er sie erlösen oder wird er selbst ein Teil dieser tragischen Symphonie?

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